Extra Tip + HNA 26.09.2011

Kulturwege erschließen Caldener Geschichte und Geschichten

Calden.
Es war ein lang gehegter Wunsch des Heimat- und Geschichtsvereins Calden und jetzt ist es ein Kulturprojekt der Gemeinde - die Kulturwege Calden. "Das ist eine gute Ergänzung zu den Ecopfaden und ein tolles Projekt zur Identitätsstiftung in den Caldener Ortsteilen", ist Landrat Uwe Schmidt vom Konzept der Kulturwege überzeugt.


Die Arbeitsgruppe Kulturwege in Calden Zufrieden: (v. li.) Norbert Rumpf (Geschichtsverein Meimbressen), Klaus-Dieter Wiedemann (Kultur- und Geschichtsverein Calden), Detlef Fuchs (Arbeitskreis Geschichte und Dorfentwicklung Ehrsten), Axel Träger (Arbeitskreis Geschichte und Dorfentwicklung Ehrsten), Edeltraud Mazurkewitz (Kultur- und Geschichtsverein Calden), Landrat Uwe Schmidt, Andreas Waschke (Geschichts- und Heimatverein Westuffeln), Peter Nissen (Amt für den ländlichen Raum) und Bürgermeister Andreas Dinges. Foto: Privat


Zu Fuß oder per Rad

Die Kulturwege sind themenbezogene Wege durch die Caldener Ortsteile, die man entweder zu Fuß oder mit dem Rad, aber auch mit dem ÖPNV erleben kann. „Wir wollen damit für uns einzelne, die Ortsteile und die Landschaft prägende, Themen vorstellen, aber auch über Calden hinaus auf Geschichte und Geschichten unserer Gemeinde hinweisen“, erläutert Edeltraud Mazurkewitz, Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins Calden e.V..
Beispiele für Kulturweg-Themen sind die Wassernutzung in Calden, die Architektur der Ortsteile und die Kunst im öffentlichen Raum. „Uns geht es darum, die verschiedenen Themen mit Informationstafeln und auch einer eigenen Internetseite stärker in der gemeindlichen Öffentlichkeit zu verankern“, ergänzt Axel Träger, Vorsitzender des Arbeitskreises Geschichte und Dorfentwicklung Ehrsten e.V..
Klaus-Dieter Wiedemann, der bereits seit längerem touristische Führungen zur Lokal- und Regionalgeschichte anbiete, wird bei der Vermarktung der Kulturwege eine zentrale Rolle spielen. Auch Caldens Bürgermeister Andreas Dinges ist vom Projekt überzeugt.


Vereine sollen mitwirken

Sowohl der Märchenlandweg wie der Ecopfad und sogar die Deutsche Fachwerkstraße sind einbezogen. An vielen Stellen erschließen die Kulturwege allerdings neue und zum Teil auch noch unbekannte Themen der Caldener Ortsgeschichte. „Wir betrachten das Ganze als Prozess. Alle Caldener Vereine sind eingeladen sich an der Erarbeitung der einzelnen Wege zu beteiligen“, so Edelgard Mazurkewitz.


Immer entlang der alten Mühlen

Presseartikel in der HNA vom 01.09.12 Klicken Sie auf das Foto um zum PDF zu gelangen (Text und Foto Dorina Binienda-Beer)


Start an der Untermühle: Freuen sich auf die Einweihung: v. l. Edeltraud und Horst Mazurkewitz, Gästeführer Klaus-Dieter Wiedemann und Irene Thöne, die Tochter des letzten Müllers in der Untermühle (Foto Binienda-Beer)


Einweihung Eselsweg

150 Menschen und zwölf Grautiere weihten den ersten der Caldener Kulturwege ein.

Ehrsten. Bei der Einweihung des neuen alten Eselsweges trotteten zwölf Esel mit gutgelaunten Marschbegleitern, darunter zahlreiche Auswärtige, eineinhalb Stunden auf historischen Spuren.


Sandi und seine elf Verwandten aus der Familie der Haus- und Zwergesel kann nichts aus der Ruhe bringen. Auch nicht die gut 150 erwartungsvollen Menschen, die sich an diesem Sonntagvormittag vor dem Ehrster Dorfgemeinschaftshaus versammelt haben. Liebevolle Blicke und jede Menge Streicheleinheiten quittieren die viel Bewunderten mit Gelassenheit. Hauptsache, der Führstrick ist lang genug, um ab und zu ein grünes Büschel von der Wiese zwischen die Zähne zu nehmen.


Die zwölf Grauen sind die Stars des Tages. Dort, wo ihre Vorfahren einst Säcke voller Korn und Mehl zwischen Ehrsten und Zierenberg transportierten. Die nach den Langohren benannte Wanderstrecke ist der erste fertiggestellte Teil der seit vier Jahren von Ehrenamtlichen erarbeiteten Caldener Kulturwege.
„Alltags-Archäologie“ nennt Ortsvorsteher und Sprecher des Ehrster Arbeitskreises Geschichte und Dorfentwicklung, Axel Träger, was die Freiwilligen vom „E(h)rster Samstag“ bei der Wiederherstellung des alten Weges geleistet haben. Da galt es an erster Stelle, den historischen Verlauf aufzuspüren, die verwilderte Route von Bewuchs freizuschneiden, Markierungen anzubringen und zwei Infotafeln aufzustellen. Nun ist der Eselsweg wieder begehbar.


Die Teilnehmer marschieren los Foto: Binienda-Beer


Aus dem Dorf heraus zieht der lange Tross durch die Siedlung, dann über idyllische Feldwege hinauf in den Wald. Dort steht die erste von zwei Infotafeln. Irgendwo da oben zwischen den Bäumen werden Zwei- und Vierbeiner die Gemarkungsgrenze nach Zierenberg überschreiten. Der Blick fällt auf einen alten Grenzstein.
Weiter geht’s zum Ehrster Plateau. „Auf der Platte“ bei den 160 Jahre alten Hutebuchen wurden vor langer Zeit fröhliche Feste gefeiert. „Vielleicht“, sagt der für seine Kreativität bekannte Ortsvorsteher, „lässt sich dieser Brauch wiederbeleben“. Unterwegs berichtet Träger aus der Geschichte, zu Natur und dörflicher Kultur.


Nun führt der Weg nur noch ein kurzes Stück durch den Wald - und plötzlich liegt Zierenbergs malerische Stadtsilhouette am Horizont. Durch eine abfallende weite grüne Ebene ziehen Esel und Menschen hinunter, zurück in die Zivilisation. Am Abzweig von der Landesstraße zur Obermühle steht Infotafel Nummer zwei. Auf dem malerischen Mühlengelände von Familie Vogt machen Menschen und Tiere nun erstmal Rast. Die Eisenacher Brauerei hat dafür einen Hektoliter ihres Schwarzbiers „Schwarzer Esel“ spendiert.
Zurück geht es über den Jägerpfad durch das Naturschutzgebiet Dörnberg. Am Ende der originellen Wanderung wissen die Einweihungsgäste: eine reizvolle Strecke, auch ohne Esel-Begleitung.
Aus HNA 14.08.12
Text und Fotos von Dorina Binienda-Beer


Einweihung Eselsweg

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