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6.08 Posthof

Seit 1724 Post nach Holland über Westuffeln
1791 Bau Posthof
1807 und 1841 in europäischen Postfahrplänen
bis 1848 holt Hofgeismar Post in Westuffeln ab
ab 1926 „Kraftpost“ statt „Pferdepost“

Dem Gutshof Berndt wurde vom Landgrafen Mitte des 18. Jahrhunderts die Postgeschäfte übertragen, der Gutsbesitzer wurde zum Posthalter bestellt und erhielt darüber eine Urkunde. Er wurde wie ein Staatsbeamter besoldet. Voraussetzung für die Bestellung war nicht nur ein ausreichend großer Besitz mit Gebäuden und Pferden, der Posthalter musste auch lesen und schreiben und rechnen können und nicht zuletzt im der Lage sein, eine beträchtliche Kaution zu hinterlegen. 1791 wurde dann der neue Posthof Berndt gebaut, im gleichen Jahr wurde Philipp Georg Berndt nach dem Tod seines Vaters zum fürstlichen Posthalter bestellt. Dabei wurde sinngemäß vermerkt, dass er in diesem Jahr ein Haus von 70 Fuß Länge und 38 Fuß Höhe an der holländischen Straße errichtet hat, der dem Ansehen des Postwesens dienlich ist. Am Posthof wurden die Pferde der Postkutschen gewechselt. Insgesamt standen 10 Pferde für den Posttransport zur Verfügung: 8 Pferde für 2 Vierergespanne und 2 Ersatzpferde.



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Die Poststation: Überfälle und Betrügereien

Im 18. und 19. Jahrhundert war Westuffeln Poststation am Postweg der Holländischen Straße zwischen Kassel und Warburg. Zunächst war die Poststation im Haus Zuschlag östlich der Kirche eingerichtet, die Familie Zuschlag hatte mehrere Generationen die Posthalterei inne. 1755 jedoch geriet Posthalter Zuschlag mit dem Grafen von Plettenberg aneinander. Nach dem "Unterthänigsten Bericht" des Oberpostamtes hatte sich der Posthalter "gröblich vergangen". Was genau den Streit ausgelöst hatte, ist nicht überliefert. Posthalter Zuschlag zog jedoch den kürzeren und das Oberpostamt vergab die Posthalterei an den Junker Christoph Berndt. 1791 baute der fürstliche Posthalter Philipp George Berndt eine neue Poststation an der Holländischen Straße, der 70 Fuß lang und 38 hoch war. In diesem Haus blieb die Posthalterei bis zur Erschließung der Gegend mit der Bahn Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Post wurde von Reitern oder mit Postkutschen transportiert. An der Poststation in Westuffeln wurden die Pferde gewechselt. Transportiert wurde neben Briefen und Reisenden auch Wertgegenstände, deshalb waren die Postkutschen auch beliebte Ziele von Räubern und auch die Posthalter selbst erlagen manchmal der Versuchung, in die Postkasse zu greifen. Im Januar 1747 wurde ein Postverwalter aus Homburg in Hessen bei Münster verhaftet, nachdem er 400 Taler von der Post entwendet hatte und geflohen war. Ein Sergeant namens Heuser holte ihn mit einem Kommando "mit Extra-Post" von dort ab. Allerdings war der Postverwalter bereits in Münster erkrankt und kam kaum noch lebendig in Westuffeln an. Eine halbe Stunde nach seiner Ankunft ist er gestorben und auf dem Westuffler Friedhof in der Stille beerdigt worden.

Das "Allgemeine Nordhessische Intelligenz-Blatt" meldete 1787 den Überfall auf eine Postkutsche: Der Postwagen fuhr am 29. Mai morgens in Paderborn mit Ziel Kassel los und kam abends um 19:30 Uhr in Ossendorf an. Von dort fuhr er um 20:30 Uhr weiter, passierte zwischen 21 und 22 Uhr Warburg und auf seiner weiteren Fahrt zur Station Westuffeln wurde er um 23 Uhr auf offener Landstraße zwischen Herlinghausen und Niederlistingen von fünf Straßenräubern angegriffen. Der Postillon wurde zu Boden geworfen und an Händen und Füßen gefesselt. Die Postkisten wurden aufgebrochen und der in Paderborn abgeschickte Briefbeutel und einige Pakete im Wert von über 3.040 Talern geraubt. Als Konsequenz aus diesem Überfall verlangte der Verfasser des Artikels abschließend, "die Übermittlung der Postschaften sicherer zu machen".

1789 begann die Französische Revolution mit dem Sturm auf die Bastille in Paris. Nachrichten über die Ereignisse in Frankreich mit der Forderung nach "Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit" wurden in Europa unter anderem über die Postillione der Postkutschen bekannt. So auch in Westuffeln: 1793 erfuhren einige Westuffelner Männer an der Poststation von den jüngsten Wendungen der Revolution in Frankreich und ihrer Ableger im Rheinland. Spontan äußerten die Männer mit Moritz Alhart als Anführer lautstark Sympathie für die "Franken" - wie die Franzosen damals hierzulande genannt wurden -. Etwas Vergleichbares würde heute sicher als "Demonstration" bezeichnet, aus Sicht der Obrigkeit handelte es sich damals aber um "demokratische Propaganda" oder "demokratische Umtriebe", das ein langes gerichtliches Nachspiel hatte. Dennoch ist auch im Nachhinein keiner der Westuffelner Beteiligten von seiner Haltung abgerückt. Sympathiebekundungen für die französische Revolution gab es überall in Deutschland - allerdings in Städten kleiner und mittlerer Größe. Für ein Dorf der Größe Westuffelns war eine solche Kundgebung geradezu sensationell und wäre ohne die Poststation sicher nicht denkbar gewesen.



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Vom Dorf im Gericht Schartenberg

Westuffeln war im 16. Jahrhundert ein sogenanntes "Mengedorf", in dem sich adelige Gerichtsherren - hier die Malsburger - und die landgräflichen Amtmänner aus Zierenberg die Gerichtsrechte teilten. Wegen ständiger Auseinandersetzungen über die Zuständigkeiten wurde 1595 ein Vertrag über die Gesamtgerichtsbarkeit in den Mengedörfern Ober- und Niederelsungen, Niedermeiser, Niederlistingen und Westuffeln zwischen dem Landgrafen und den Malsburgern geschlossen. Die bis dahin gültigen Bestimmungen über das "peinliche Gericht" wurden in den Vertrag übernommen. Über Verbrechen auf offener Landstraße richteten die landgräflichen Beamten allein, über allgemeine Frevel die Dorfschöffen. Die allgemeinen Landgerichte wurden von den Beamten in Zierenberg im Namen des Landgrafen und denen von der Malsburg abgehalten.

Im Ort wurden sogenannte „Halsgerichte“ abgehalten, wobei Amtmänner aus Zierenberg über Mord, Totschlag, Diebstahl und dergleichen – im Dorf oder in der Feldmark gegangen – entschieden. Am Haus Rüddenklau, das nicht zufällig früher gegenüber der Zehntscheune stand, ist ein Schandgesicht oder Schandpranger aus dem Eckbalken geschnitzt und bemalt. An einem Eisenring unten an dem Balken wurden früher die Straffälligen und säumigen Abgabenerbringer angekettet und so der Verachtung der Bevölkerung preisgegeben. Sie wurden beschimpft, bespuckt und geschlagen. Im Giebel des Fachwerkhauses ist eine Figur zu sehen, die in der Art der heute oft verwendeten Justitia ein Symbol der Gerechtigkeit sein soll, der an diesem Ort genüge getan wurde.

In alten Zeiten hatten die Dorfbewohner vielfältige Abgaben und Dienstleistungen für die adelige Herrschaft zu erbringen. Insbesondere beim Vorwerk Rangen waren große Ackerflächen zu bestellen und Holz aus dem Reinhardswald musste nach Rangen gebracht werden. Jedes Dorf hatte einen bestimmten Bezirk an der Holländischen und Bremer Straße in Ordnung zu halten. Außerdem mussten noch Treiber für die Jagd in den Habichtswald gestellt werden. Neben den Frondiensten musste noch der Zehnte entrichtet werden; auf die heutige Zeit übertragen hieß das, dass von jeder Ernte 10 % an Steuern an die landgräfliche bzw. malsburgische Obrigkeit abzuliefern war. Die Zehntscheune (Teintschüre) war als große Fachwerkscheune errichtet worden und der den Herren von der Malsburg zustehende Zehnte wurde dort abgeliefert und eingelagert. In der Dorfbeschreibung von 1777 wird erwähnt: „In Westuffeln befindet sich als herrschaftlicher Besitz nur eine Zehntscheune, die ¼ Acker, 6 Ruten groß ist.“ Später wurde eine Wohnung in das große Gebäude eingebaut und das Erdgeschoss massiv errichtet. In den 1970er Jahren wurde das Gebäude abgerissen.

Mit einem neuen Vertrag endete 1787 die Mengejurisdiktion in Westuffeln. Die Malsburger verzichten darin völlig auf die hohe und niedere Gerichtsbarkeit in Westuffeln, Niedermeiser und Bründersen im Austausch gegen landgräfliche Gerichtsrechte in Ober- und Niederelsungen und in Niederlistingen. Alle übrigen Rechte und Dienstleistungen, auch das Patronatsrecht für die Kirche sowie die Bestrafung von Waldfrevel im Gemeindewald und bei einfachen Ehebruchfällen blieb den Malsburgern erhalten.

Die aus dem Mittelalter stammenden Gerichtsrechte wurden 1806 aufgehoben, als das Kurfürstentum Hessen-Kassel von Frankreich besetzt wird und das Königreich Westfalen mit König Jerome und Kassel als Hauptstadt ins Leben gerufen wird. Sieben Jahre später werden Jerome und sein Bruder Napoleon in den Befreiungskriegen geschlagen und der Kurfürst kehrt nach Kassel zurück. Die alten Gerichtsrechte werden jedoch nicht mehr in Kraft gesetzt und auch das Amt Zierenberg bestand nur noch kurze Zeit. 1821 wurde der Kreis Hofgeismar gegründet, zu dem auch Westuffeln gehörte. Ein Justizamt und die Renterei (Vorläufer des Finanzamts) wurden in Grebenstein eingerichtet.



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