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Schulen und Bildung in Hessen-Cassel

Bis weit in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts verharrte das hessische Schulwesen in einem Zustand der Stagnation. Die Schulen waren zwar Kirchensache, das Kirchenregiment stand aber dem Landesherrn zu, bei ihm lag also die Initiative zu allen Veränderungen. Die wiederholten Versuche des Landgrafen Karl und seiner Vorgänger, das auf dem Standpunkt des Reformationszeitalters stehen gebliebene höhere Schulwesen zu reformieren, waren im Sande verlaufen. Zur Zeit des hausväterlich regierenden Statthalters und Landgrafen Wilhelm VIII. fehlte jeder Versuch, das Schulwesen den Erfordernissen der Gegenwart anzupassen. Die Stadtschulen und ihre Lehrer wurden aus kirchlichen Fonds unterhalten, aus Gotteskasten, Hospitalgeldern und etwaigen Schulstiftungen. Die Städte gaben nur gelegentliche Beihilfen, meist in Form von Naturalien. Noch im 18. Jahrhundert hielt man jedes Schulamt nach Ursprung und Zweck für ein kirchliches Amt. Der Religionsunterricht stand im Mittelpunkt. In den höheren Schulen wurde daneben sehr viel Latein, außerdem neutestamentliches Griechisch und etwas Hebräisch gelehrt. Mathematik und Realien wurden vernachlässigt. Diese Schulen betrachteten sich vor allem als Vorbereitungsanstalten für zukünftige Theologen, ihre Lehrer waren meist Theologen. Die bekanntesten Lateinschulen des Landes, das Paedagogium in Marburg, das Gymnasium in Hersfeld und die Stadtschule in Kassel blühten erst zur Zeit Friedrichs II. wieder auf.

Der Stand der Volksschulen, die meist nur im Winter besucht wurden, war sehr dürftig. Außer dem Katechismus lernten die Kinder dort lesen, schreiben und nur wenig rechnen. Die seit dem 16. Jahrhundert in Verbindung mit der kirchlichen Katechese entstandenen Dorfschulen erhielten seit Einführung der am 1. Februar 1726 angeordneten, wenn auch erst 100 Jahre später voll durchgeführten allgemeinen Schulpflicht einen Zulauf, dem vielfach weder die Schulräume noch die Lehrer gewachsen waren. Gelehrt wurden Lesen, Schreiben, Beten und Singen; erst ab 1738 wurde auch für die Dorfschulen Rechenunterricht vorgeschrieben, damit sich die Bauern der Betrugsversuche gerissener Händler erwehren konnten. Aber viele Lehrer konnten selbst nicht rechnen, denn man dachte nicht daran, sie gleichmäßig vorzubilden. Sie waren wirtschaftlich sehr schlecht gestellt; nicht allen glückte es, als Organisten ihre Einkünfte und ihr Ansehen zu vermehren. Vielfach waren sie im Hauptberuf kleine Bauern oder Handwerker, ihre Einnahmen lagen bisweilen unter denen des Hirten, dessen Stelle sie im Sommer gelegentlich ausfüllten; denn auf dem Lande wurde nur im Winter unterrichtet. Es war ein Verdienst der Pfarrer, wenn die Lehrer sich allmählich nicht mehr bei Hochzeiten als öffentliche Spaßmacher, bei Trauerfeiern als Leichenbitter, bei Dorffestlichkeiten als Musiker betätigen mussten, da die Pfarrer selbst mehr und mehr auf Dienstleistungen der Schulmeister, wie z. B. Botengänge und Stiefelputzen, freiwillig verzichteten.

Den Mängeln des Dorfschulwesens konnte nur abgeholfen werden, wenn Landesherr und Stände die Bezüge erhöhten und dadurch besser vorgebildete Männer zum Schuldienst heranzogen; für den geringen Lohn waren keine tüchtigen Lehrer zu bekommen. Stattdessen wurden die geringen Leistungen der Dorfschulen, die Gleichgültigkeit und Pflichtversäumnis der Schulmeister, die Passivität der ihnen vorgesetzten Geistlichen gerügt. Man glaubte, die Mängel des Volksschulwesens durch Einschärfung der alten Schulordnungen und gesteigerte pädagogische Forderungen beseitigen zu können. Dass ohne Gehaltserhöhung geeignetere Dorflehrer nicht zu gewinnen waren, blieb Landgraf und Ständen verborgen. So blieb alles beim Alten. Der Landtagsabschied vom 27. Oktober 1731 verbot den Dorflehrern den Betrieb eines Handwerks neben ihrem Schul- und Küsteramt. Aber wovon sollten sie leben? Das Verbot konnte nicht durchgeführt werden.

Von Klaus-Dieter Wiedemann
Aus dem Buch: "Spuren der Verganganheit"
Herrausgeber: Geschichtsverein Westuffeln



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